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An Bord der Ocean Viking wurde ich zum ersten Mal seit vier Jahren ärztlich untersucht.

20
August
2025

Menes*, 40 Jahre alt, wurde am 30. Oktober 2024 zusammen mit 24 weiteren Menschen vom Team der Ocean Viking aus einem Holzboot in Seenot gerettet. Die Rettung ereignete sich in der sich überschneidenden maltesischen und tunesischen Such- und Rettungsregion.

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An Bord der Ocean Viking wurde ich zum ersten Mal seit vier Jahren ärztlich untersucht.

Menes*

20
August
2025

Heimatland

Ägypten

Rettungsdatum

30
October
2024

Alter

40 Jahre

Menes*, 40 Jahre alt, wurde am 30. Oktober 2024 zusammen mit 24 weiteren Menschen vom Team der Ocean Viking aus einem Holzboot in Seenot gerettet. Die Rettung ereignete sich in der sich überschneidenden maltesischen und tunesischen Such- und Rettungsregion.

Triggerwarnung: Beschreibung von Folter

Menes*, 40 Jahre alt, wurde am 30. Oktober 2024 zusammen mit 24 weiteren Menschen vom Team der Ocean Viking aus einem Holzboot in Seenot gerettet. Die Rettung ereignete sich in der sich überschneidenden maltesischen und tunesischen Such- und Rettungsregion. Die Überlebenden berichteten, dass sie vier Tage lang bei schlechtem Wetter auf See verbracht hatten und ihnen nach kurzer Zeit das Trinkwasser und die Lebensmittel ausgegangen waren.

An Bord der Ocean Viking sprach Menes mit dem Team über seine Geschichte:

“In Ägypten war ich Bäcker. Doch das war nicht ausreichend, um meiner Familie ein angemessenes Leben zu ermöglichen.  

Ich leide an einer Herzerkrankung, die mich daran hinderte, einen weiteren Beruf auszuüben. Ich hatte zwei Operationen und muss regelmäßig fünf verschiedene Medikamente einnehmen. Doch irgendwann konnte ich mir die Medikamente nicht mehr leisten. Sie waren schwer zu finden und zu teuer.  

Ich beschloss, nach Libyen zu gehen, um genug Geld für meine Behandlung zu verdienen, obwohl mein Arzt mir geraten hatte, wegen meines geschwächten Gesundheitszustandes nicht zu arbeiten.

Als ich in Libyen ankam, schloss ich mich Leuten an, die mir von einer guten Arbeitsmöglichkeit erzählten. Aber sie sperrten mich ein und verlangten Lösegeld für meine Freilassung.  

Ich musste meine Frau anrufen, die unser Haus verkaufen musste, um meine Freilassung zu bezahlen.  

Kurz nachdem ich frei kam, wurde ich auf der Straße von bewaffneten Männern entführt. Sie zerrten mich in ein Auto und brachten mich zu einem Ort, an dem bereits andere Menschen gefangen gehalten wurden, um von ihnen Geld für ihre Freilassung zu erpressen. Sie folterten mich schwer. Sie schnitten mir mit einer Machete einen Teil meines Zehs und Fingers ab. Um freigelassen zu werden, musste ich mir von acht verschiedenen Personen Geld leihen, damit ich die Männer, die mich festhielten, bezahlen konnte.  

Nachdem ich befreit worden war, dachte ich, der einzige Weg, um der Gefahr zu entkommen, sei Libyen so schnell wie möglich zu verlassen. Ich hörte von einem Schlepper, der mich nach Europa bringen konnte. Um den Seeweg zu nehmen, musste ich erneut mehrere tausend Dollar bezahlen.

Als ich das winzige Boot schließlich sah, das mich und 24 andere Menschen transportieren sollte, glaubte ich nicht, dass wir die großen Wellen überstehen würden.  

Ich dachte, wenn ich sterben würde, müsste ich wenigstens nicht das ganze Geld zurückzahlen, das ich mir geliehen hatte.  

An Bord der Ocean Viking wurde ich zum ersten Mal seit vier Jahren ärztlich untersucht. Ich konnte kaum glauben, dass sich endlich jemand um mich kümmerte.  

Ich wünsche mir nur, dass ich meine Herzkrankheit behandeln lassen kann, damit ich mein jüngstes Kind sehen kann – einen kleinen Jungen, der geboren wurde, als ich bereits in Libyen war.”  

Das Gespräch wurde von Alisha Vaya geführt und verschriftlicht.  

Foto-Credits: Camille Martin Juan / SOS MEDITERRANEE

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