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Einsatzbericht 17/2025 der Ocean Viking

31
December
2025

Der erste Einsatz der Ocean Viking seit dem Angriff durch die libysche Küstenwache. Am 31. Dezember 2025 nahm die Ocean Viking 33 Menschen an Bord – darunter Kinder, Frauen und Verletzte aus Sudan, Tschad und Somalia. Sie wurden zuvor von einem Versorgungsschiff aus Seenot gerettet. Am 5. Januar konnten sie in Savona, im Norden Italiens an Land gehen.

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Einsatzbericht 17/2025 der Ocean Viking

31
December
2025

Heimatland

Rettungsdatum

Alter

Der erste Einsatz der Ocean Viking seit dem Angriff durch die libysche Küstenwache. Am 31. Dezember 2025 nahm die Ocean Viking 33 Menschen an Bord – darunter Kinder, Frauen und Verletzte aus Sudan, Tschad und Somalia. Sie wurden zuvor von einem Versorgungsschiff aus Seenot gerettet. Am 5. Januar konnten sie in Savona, im Norden Italiens an Land gehen.

Am 26. Dezember rettete das Versorgungsschiff MARIDIVE703 eine Gruppe Menschen in der maltesischen und tunesischen Such- und Rettungsregion aus Seenot. Die Überlebenden berichteten, dass sie bereits 24 Stunden auf See gewesen waren und ihr Schlauchboot kurz vor dem Auseinanderbrechen stand. An Bord der MARIDIVE703 wurden sie von der Crew über vier Tage versorgt.

Die Geretteten berichten von einem weiterem Boot, dass von der tunesischen Küstenwache zurück nach Tunesien gezwungen wird. Anschließen näherte sich das tunesische Schiff der Maridive703 und versuchte, die Überlebenden an Bord zurück nach Tunesien zu bringen. Die Crew der Maridive703 respektierte internationale Recht und bestand auf einen sicheren Hafen, einem Ort, an dem die Menschen keine Gefahr mehr ausgesetzt sind.

Dem Versorgungsschiff wurde durch die Behörden kein sicherer Hafen zugewiesen. Diese Art der Verzögerungen ist unmenschlich und ein eklatanter Verstoß gegen das Seerecht.

Transshipment

Die Ocean Viking befand sich in der nähe der Maridive703 und bat ihre Hilfe an. Das SAR-Team der Ocean Viking wurde autorisiert an Bord des Versorgungsschiffs zu gehen. Dort wurden Schwimmwesten verteilt und die Überlebenden in Abstimmung mit der Besatzung der Maridrive703 sicher auf die Schnellboote der Ocean Viking gebracht. Einige der Menschen benötigten dringend medizinische Versorgung.

Manche der Menschen sind vor extremer Gewalt in El Fasher im Sudan geflohen sind, wo die paramilitärische Gruppe RSF ein Massaker verübt hat. Andere stammen aus Somalia und dem Tschad und flohen vor Armut, Unsicherheit und fehlenden Zukunftsperspektiven. Alle berichten von Inhaftierung und Gewalt in Libyen. Sieben der Geretteten wiesen Verletzungen auf, darunter Verbrennungen durch Treibstoff, ein gebrochener Knochen sowie allgemeine Schmerzen. Viele wirkten erschöpft nach der langen Zeit auf See. Sie werden nun an Bord der Ocean Viking medizinisch versorgt.

Mohamed* ist 26 Jahre alt und stammt aus Sudan. Er floh vor zwei Jahren aus einer Stadt nahe Khartum vor dem Krieg. In Libyen erlebte er über zwei Jahre Gewalt und Ausbeutung.

„Am meisten bedauere ich, dass ich mein Medizinstudium im Sudan abbrechen musste [...]. Mein Traum ist es, Arzt zu werden: Ich hoffe sehr, dass ich mein Studium in Europa fortsetzen und abschließen kann. Vielleicht kann ich eines Tages als Arzt auf einem Schiff wie diesem arbeiten und meinen Brüdern und Schwestern helfen, die leiden.“

Koordination und staatliche Verantwortung

Der Einsatz wurde von der tunesischen Seenotleitstelle koordiniert. Die maltesischen Behörden reagierten hingegen nicht auf Anfragen nach Unterstützung – und kamen damit erneut ihren Verpflichtungen nach internationalem Seerecht nicht nach.

Auch zum Jahresende zeigt sich damit deutlich, dass Menschen im Mittelmeer weiterhin ihrem Schicksal überlassen werden.

Abends erhielt die Ocean Viking von Alarm Phone einen Notruf von 60 Menschen auf einem Schlauchboot. Sie wurden durch das Forschungsschiff Edda Flora vor Wind und Wellen geschützt, damit das Schlauchboot nicht kentert. Das ITMRCC genehmigte die Kursänderung um zum Seenotfall zu fahren. Nur 15 Seemeilen vom Boot in Seenot entfernt forderte die libysche Küstenwache die Ocean Viking auf, das Gebiet zu verlassen. Damit wurden wir gezwungen, unsere Pflicht zur Hilfeleistung zu ignorieren. Dies geschah trotz dringender Hilferufe der Edda Flora und obwohl es keinen Such- und Rettungsplan gab.

Sicherer Hafen

Als sicherer Hafen wurde der Ocean Viking Savona im Norden von Italien zugewiesen. Der Hafen liegt mehrere Tage vom Einsatzort entfernt. Die bewusste Zuweisung so weit entfernter Häfen verlängert das Leid der Überlebenden unnötig. Sie müssen noch mehr Zeit auf See verbringen. Trotz der potentiell traumatischen Erlebnisse, die sie in den Tagen zuvor, die sie in Seenot überlebt haben, durchstehen mussten. Jeder zusätzliche Tag auf See bedeutet weitere Belastung – körperlich wie psychisch.

Die Überlebenden beobachten am Heck der Ocean Viking das  Wasser. Eine der Personen hält ein kleines Kind auf dem Arm.

Am 05. Januar 2026 konnten die Menschen in Savona endlich an Land gehen.

Credits: Tess Barthes / SOS MEDITERRANEE

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