Sandaly*: Die Wellen waren hoch, die Sonne brannte, das Boot verlor Luft.
Sandaly* ist 25 Jahre alt. Er stammt aus Guinea. Am 2. November 2021 wurde er von der Ocean Viking aus einem überfüllten Schlauchboot in Seenot mit 94 Menschen an Bord gerettet.
Sandaly*: Die Wellen waren hoch, die Sonne brannte, das Boot verlor Luft.
Sandaly
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Alter


Sandaly* ist 25 Jahre alt. Er stammt aus Guinea. Am 2. November 2021 wurde er von der Ocean Viking aus einem überfüllten Schlauchboot in Seenot mit 94 Menschen an Bord gerettet.
Gewalt in Libyen
Sandaly verließ Guinea 2020 mit seiner dreijährigen Tochter, um Arbeit zu finden. Stattdessen verbrachten sie zwei Monate in einem Gefangenenlager in Libyen. „Sie schlugen mich morgens, mittags und abends. Die Wärter gaben uns dreimal am Tag jeweils 50 Zentimeter Brot und nicht genug Wasser. Wir waren in Libyen den Menschenrechtsverletzungen völlig ausgesetzt. Selbst die Hölle scheint besser als Libyen“, erzählte Sandaly einem Crewmitglied an Bord. „Das Gefangenenlager hatte fünf Räume; in jedem Raum waren etwa 400 bis 500 Menschen. Trotz der schrecklichen Lebensbedingungen waren auch Neugeborene mit uns dort“, erklärte er.
Sandaly war entsetzt über die Behandlung der Frauen in den Gefangenenlagern. „Die Verantwortlichen der Lager vergewaltigen Frauen, ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Der Leiter des Zentrums kam nachts, nahm sich eine Frau und behielt sie eine Woche lang bei sich. Er versprach ihr, sie freizulassen. Das tat er nicht. Manche Frauen waren drei Jahre dort. Man hat keinerlei Freiheit. Es ist die Hölle. Sie nehmen dir alles.“
Die Wärter geben den Gefangenen ein Telefon, berichtet Sandaly, damit sie ihre Familien anrufen konnten, während sie sie folterten, um Geld zu erpressen. „Wenn du einmal in Libyen bist, kannst du nicht mehr weg. Es ist wie eine geschlossene Box. Entweder du gehst aufs Meer hinaus, oder du nimmst die Folter in Kauf.“
Flucht übers zentrale Mittelmeer
Als Sandaly von der Überfahrt erzählte, senkte er den Blick. „Wir verbrachten Stunden auf diesem Schlauchboot im Wasser, ich weiß nicht mehr, wie viele. Wir drehten uns im Kreis. Wir sahen den Tod. Die Wellen waren hoch, die Sonne brannte, das Boot verlor Luft.“ Als das Team von SOS MEDITERRANEE das Boot in Seenot erreichte, fanden sie es völlig überfüllt vor. Menschen saßen auf den Sponsons, die Struktur des Bootes war verformt, kurz davor zu zerbrechen, und Wasser drang ein. Es war eine Frage von Minuten, bis das Boot hätte kentern können. Unsere drei RHIBs wurden zu Wasser gelassen, um die kritische Rettung durchzuführen. Zunächst mussten Menschen auf andere Rettungsinseln umsteigen, um das Risiko des Kenterns und Zerdrückens zu verringern. Innerhalb von zwei Stunden wurden schließlich alle an Bord der Ocean Viking gebracht.
*Name zum Schutz des Überlebenden geändert.
Fotocredit: Claire Juchat / SOS MEDITERRANEE
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