Ayman*: “Wir waren uns sicher, dass wir sterben würden.”
Ayman*, 28, reiste von Ägypten nach Libyen, um dort zu arbeiten. Stattdessen wurde er von Menschenhändlern gefoltert und erpresst. Bevor er von der Crew der Ocean Viking gerettet wurde, war er sich sicher, dass er stirbt.
Ayman*: “Wir waren uns sicher, dass wir sterben würden.”
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Rettungsdatum
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Ayman*, 28, reiste von Ägypten nach Libyen, um dort zu arbeiten. Stattdessen wurde er von Menschenhändlern gefoltert und erpresst. Bevor er von der Crew der Ocean Viking gerettet wurde, war er sich sicher, dass er stirbt.
„Als ihr uns gefunden habt, hatten wir bereits das Gebet der Sterbenden gesprochen.“
Triggerwarnung: Der folgende Text enthält Schilderungen von Gewalt.
Das ist der erschütternde Bericht eines 28-jährigen Vaters. Ayman*, 28, stammt aus Ägypten. Nach dem Tod seines Vaters musste er für seine Frau, seine Kinder, seine Mutter und seine Geschwister sorgen. Er häufte Schulden an und konnte trotz seiner Arbeit in einer Arzneimittelfabrik nicht über die Runden kommen. Also beschloss er, nach Libyen zu reisen, um Geld zu verdienen, dieses Geld seiner Familie zu schicken und seine Schulden begleichen zu können.
Misshandlung in Libyen
In Libyen angekommen, brachten ihn Menschenhändler in eine „Art Gefängnis“** und verlangten weit mehr Geld als ursprünglich vereinbart. Er wurde erpresst. Ayman* hatte keine Möglichkeit, an das Geld zu kommen, konnte aber auch nicht nach Ägypten zurückkehren. Er musste seine Familie anrufen, damit sie es schicken.
„Ich wurde an einem Ort mit vielen anderen Menschen festgehalten“, erinnert sich Ayman*, „und habe sechs Monate lang kein Tageslicht gesehen. Wir bekamen kaum etwas zu essen und mussten salziges Wasser trinken.“
Die Leute, die ihn gefangen hielten, zwangen ihn, seine Mutter anzurufen und um mehr Geld zu bitten. Dabei zielten sie mit ihren Waffen auf ihn. “Sie wissen, dass Mütter ihr Kind nicht in Gefangenschaft und unter Folter zurücklassen können”, sagt er. Seine Familie wurde gezwungen, ihr Gold und ihr Eigentum zu verkaufen, um die Leute zu bezahlen, die ihn festhielten.
Er wurde mehrmals von einem Ort zum anderen transportiert. “Wir haben nie verstanden, ob es sich um Polizisten handelte oder nicht, aber auf jeden Fall wurde uns klar, dass wir keiner Autoritätsperson und niemandem in Libyen vertrauen können.”
„Eines Tages“, erinnert sich Ayman*, „wurden wir zum Strand gebracht und kamen zu einem Boot, von dem wir dachten, es würde uns nach Italien bringen.“ Stattdessen tauchten bewaffnete Männer auf und nahmen ihnen alles weg, was sie besaßen. Sie wurden in eine Wohnung gebracht. Dort mussten sie sich bis auf die Unterhosen ausziehen und wurden vier Tage lang gefoltert.
„Bei den Foltermethoden waren sie sehr einfallsreich. An einem Tag Stromschläge, am nächsten Tag etwas anderes. Es war ihnen egal, ob Männer, Frauen oder ältere Menschen, alle litten auf die gleiche Weise.“
Ayman* erzählt, dass die Libyer den Menschen, denen es nicht gelang, durch Anrufe bei ihren Familien genug Geld zu beschaffen, die Organe entnahmen, um sie zu verkaufen, und die Menschen dann dem Tod überließen.
Die Flucht
Danach wurden sie an einen anderen Ort gebracht. Während der Fahrt im Lastwagen sprangen Ayman* und fünf weitere Ägypter heraus. “Wir wussten, dass wir getötet werden könnten, aber zu diesem Zeitpunkt dachte ich, nichts sei schlimmer, als bei den Folterern zu bleiben.” Sie hörten Schüsse, schafften es aber zu fliehen und versteckten sich nur mit Boxershorts bekleidet in den Bäumen.
Sie hatten das Glück, in der Stadt eine ägyptische Familie zu finden, die ihnen mit Kleidung half.
Zu diesem Zeitpunkt konnte Ayman* nicht mehr nach Ägypten zurückkehren, obwohl er es wollte. Schließlich fand er einen anderen Weg, Libyen zu verlassen.
„Als wir an den Strand gebracht wurden“, erzählt uns Ayman*, „mussten wir zum Boot schwimmen, wobei uns das Wasser bis zum Hals reichte. Das Wetter war sehr schlecht, mit hohen Wellen. Wir hatten alle große Angst, auf dieses Boot zu steigen. Aber dort standen bewaffnete Libyer, die uns drohten, an Bord zu gehen. Ich dachte, ich würde lieber auf See sterben als durch Folter in den Händen der Libyer. Uns war kalt und wir waren auf dem Meer verloren. Wir waren sicher, dass wir sterben würden.“
Also beteten sie und fanden sich mit ihrem Tod ab. Stattdessen fanden sie auf der Ocean Viking Sicherheit.
*Name zum Schutz des Überlebenden geändert.
** Überlebende sprechen oft von "Gefängnissen", wenn sie über informelle Haftanstalten sprechen.
Fotocredit: Ville Maali / SOS MEDITERRANEE
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