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Marcus*: „Wir saßen tagelang auf der Plattform fest.”

15
September
2026

Marcus* wurde am 19. März 2026 aus Seenot gerettet, nachdem er zwei Nächte auf einem Schlauchboot und vier Nächte auf der Offshore-Plattform Miskar verbracht hatte, die in der gemeinsamen Such- und Rettungsregion von Tunesien und Malta liegt.

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Marcus*: „Wir saßen tagelang auf der Plattform fest.”

Marcus*

15
September
2026

Heimatland

Region Westafrika

Rettungsdatum

19
March
2026

Alter

etwa 30

Marcus* wurde am 19. März 2026 aus Seenot gerettet, nachdem er zwei Nächte auf einem Schlauchboot und vier Nächte auf der Offshore-Plattform Miskar verbracht hatte, die in der gemeinsamen Such- und Rettungsregion von Tunesien und Malta liegt.

Warnung: Der folgende Text enthält Schilderungen von Gewalt und Folter.

Das Boot war in Zuwara, Libyen mit nur wenig Wasser und Proviant in See gestochen. Der Treibstoff ging zur Neige, und das Boot, das mitten in einem Sturm mit über 5m hohen Wellen und starken Winden gefangen war, begann zu brechen und sich mit Wasser zu füllen. Die Menschen suchten Zuflucht auf der Plattform.

Die Arbeiter auf der Plattform unterstützen die gestrandeten Menschen so gut es ging. Dort verbrachten sie vier Nächte auf dem Metallgestell, nass und der Witterung ausgesetzt. Am fünften Tag konnte die Ocean Viking sie schließlich evakuieren. Die Überlebenden stammten aus 17 Ländern, darunter 39 unbegleitete Minderjährige, 13 Frauen, ein Kind und zwei Babys.

Einer der Überlebenden ist Marcus*. Er teilt seine Geschichte mit uns.

Die Flucht über das Mittelmeer

"Wir waren mehr als 60 Leute auf diesem Boot. Als wir ankamen, war es windig und sehr wellig... Es gab zu viele Wellen und auch zu viel Wind.  

Das Boot war voller Wasser, es war komplett voll. Das Wasser stieg so hoch, dass wir es nicht mehr herausschöpfen konnten. Das Meer ist gefährlich.

Wir sahen eine Art Plattform auf dem Meer, also versuchten wir, uns daran festzuhalten. Als wir die Plattform erreichten, versuchte jede*r von uns, sich selbst zu retten. Wer einen Platz findet, greift zu und klettert dann hoch. Wer hochklettern und seinem Freund helfen konnte, half.

Als wir auf die Plattform kletterten, haben sie uns dort gut aufgenommen. Sie gaben uns Essen, Decken, alles, was wir brauchten. Sie haben sich um uns gekümmert. Wir blieben dort für fünf Tage. Nach fünf Tagen sahen wir die Ocean Viking. Sie kam und rettete uns."

Gewalt in Libyen

"In Libyen werden viele Afrikaner*innen gefangen genommen und inhaftiert**. Sie sitzen dort fest ohne eine Möglichkeit zu entkommen. Die Libyer sagen ihnen, ihre Familien anzurufen, um für ihre Freilassung zu bezahlen, aber selbst, wenn das Geld geschickt wurde, werden sie oft nicht freigelassen.

Manche Menschen bleiben auf unbestimmte Zeit inhaftiert. Andere werden traumatisiert und verlieren den Verstand. Sie werden zur Arbeit gezwungen, doch wenn die Arbeit erledigt ist, erhalten sie keinen Lohn. Menschenrechte werden dort nicht respektiert. Menschen werden im Gefängnis** geschlagen und misshandelt.

Mir bleiben nur Tränen."

* Name zum Schutz des Überlebenden geändert.

** Überlebende nutzen oft Begriffe wie "Gefängnis" oder "Haftanstalt", wenn sie sich auf inoffizielle Gefangenenlager beziehen.

Fotocredit: Ville Maali / SOS MEDITERRANEE

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