Nirvan*: In Nepal gibt es Morde, Gewalt, Plünderungen und Proteste
Nirvan floh aus Nepal über sechs Länder und erfuhr in Libyen schlimme Gewalt. Nach zwei Tagen auf dem Meer wurde er von der Ocean Viking gerettet.
Nirvan*: In Nepal gibt es Morde, Gewalt, Plünderungen und Proteste
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Nirvan floh aus Nepal über sechs Länder und erfuhr in Libyen schlimme Gewalt. Nach zwei Tagen auf dem Meer wurde er von der Ocean Viking gerettet.
Nach zwei Tagen auf einem schwarzen Fiberglasboot wurden 73 Menschen – darunter Nirvan* aus Nepal – von der Ocean Viking gerettet. Sie hatten Zwara in Libyen verlassen, um nach Monaten voller Gewalt und Ausbeutung Sicherheit zu suchen. Für Nirvan* markierte diese Rettung das Ende einer 14-monatigen Reise durch sechs Länder und den ersten Moment, in dem er das Gefühl hatte, dass sein Leben nicht mehr in Gefahr war.
In seinen eigenen Worten erzählt Nirvan hier seine Geschichte.
“Nepal ist voller schöner und interessanter Orte, aber die Gesellschaft und die Politik dort sind sehr schlecht.1
In Nepal gibt es Morde, Gewalt, Plünderungen und Proteste, weshalb das Leben dort nicht sicher ist. Niemand weiß, was in irgendeinem Teil Nepals passieren wird, aber auch das liegt an der Politik. Man weiß nie, wann es zu einem Mord oder Raubüberfall kommen wird.2
Ich kam von Nepal nach Indien, von Indien nach Oman, von Oman nach Dubai, von Dubai nach Saudi-Arabien – ich verbrachte Zeit an all diesen Orten, arbeitete und sparte genug Geld, um diesen Wegzurückzulegen. Von Saudi-Arabien kam ich nach Ägypten und dann nach Libyen. Das dauerte 14 Monate.
Ich verbrachte 16 Tage in Libyen, aber diese Zeit war sehr schwer. Es war schwer die Sprache dort nicht zu verstehen. Die Menschen waren sehr angsteinflößend und schlugen und beraubten andere. Ich hatte zu dieser Zeit nur 120 Dollar.
Sie nahmen mir mein Handy weg. Danach wurde ich gefoltert und sehr oft geschlagen. Etwa 16 Tage lang durfte ich nur einmal alle 24 Stunden etwas essen. Aber ich glaube, ich kann diesen Schmerz vergessen.
Es war sehr schwer für mich. Ich schwöre, ich dachte, ich würde vielleicht nicht überleben.
In Italien gibt es Sicherheit – es gibt Sicherheit für das Leben. Zunächst einmal danke ich dir, dass du mir zugehört hast. Ich habe den Traum, dass ich nach Italien gehen und dort ein glückliches Leben führen kann. Und morgen werde ich arbeiten gehen, damit der Traum meines Vaters, meiner Mutter und meines Bruders wahr wird. Ich hoffe, dass sie eines Tages sagen werden: „[Nepal] ist jetzt nicht mehr so.“
Mein größter Traum ist es, meine Eltern glücklich zu machen. Ich bin hier der einzige Nepali, deshalb fühle ich mich traurig – aber ich bin sehr stolz, wenn du mich etwas fragst. Jetzt bin ich sehr glücklich. (Zur Einordnung: Nirvan war der einzige Nepali unter den Überlebenden, die überwiegend bengalischer Herkunft waren.)
Etwas anderes, das mich glücklich macht, ist Schauspielerei. Ich habe in einem Film mitgespielt. Es war eine kleine Rolle. Es war ein Film, in dem ich zum Spaß mitgespielt habe.

Mein Herz fühlte sich einsam. Jetzt bin ich sehr glücklich. Mein Kopf ist auch wieder frei. Ich bin sehr froh, jetzt mit dir zu sprechen.
Ich fühlte mich einsam, weil die Bengal*innen hier mich nicht verstehen und ich sie nicht verstehe. Ich fühle mich einsam, weil ich nicht weiß, mit wem ich sprechen soll.
Ich bin heute sehr dankbar dafür, dass du dir Zeit für mich genommen hast. Ich bin sehr stolz – jetzt habe ich eine Schwester. Ich habe eine Freundin. Ich kann mit allen sprechen. Ich bin sehr glücklich. Das Gespräch mit dir hat meinen Kopf richtig frei gemacht.”
[1] In den letzten 20 Jahren gab es in Nepal zahlreiche Protestbewegungen. In den letzten Jahren insbesondere gegen den – mittlerweile zurückgetretenen – Premierminister sowie gegen Korruption und Nepotismus.
[2] Die Weltbank sowie die NGO The Borgen Project, die sich für die Bekämpfung extremer Armut einsetzt, berichten: „Nepal kämpft weiterhin mit einer stark ausgeprägten Armutskrise, mehr als 25 % der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Im Human Development Index (HDI) 2024 belegte das Land den 146. Platz von insgesamt 193 und gehört damit zu den am niedrigsten bewerteten Ländern in Südasien.“
*Der Name wurde zum Schutz des Geretteten geändert.
Fotocredits: Francesca Volpi / SOS MEDITERRANEE
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