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Überlebende müssen auf See ausharren: SOS MEDITERRANEE und IFRC fordern Einhaltung des Seerechts

1
November
2022

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Überlebende müssen auf See ausharren: SOS MEDITERRANEE und IFRC fordern Einhaltung des Seerechts

1
November
2022

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Einige der 234 von der Ocean Viking geretteten Menschen sitzen nach elf Tagen noch immer an Deck des Rettungsschiffs fest und warten darauf, in einem sicheren Hafen an Land gehen zu dürfen. SOS MEDITERRANEE und die IFRC rufen zur Einhaltung geltenden Seerechts und zu einer sofortigen Lösung für die Ausschiffung der Überlebenden auf.Die Crew der Ocean Viking, einem von SOS MEDITERRANEE gecharterten und in Partnerschaft mit der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) betriebenen Rettungsschiff, rettete zwischen dem 22. und 26. Oktober im zentralen Mittelmeer 234 Frauen, Kinder und Männer von sechs in Seenot geratenen Booten. "Aus Seenot gerettete Menschen sollten und müssen innerhalb eines angemessenen Zeitraums an einem sicheren Ort an Land gehen können, so wie es nach Such- und Rettungseinsätzen von Behörden und Handelsschiffen der Fall ist. Die seit 2018 immer längeren Blockaden von Rettungsschiffen im zentralen Mittelmeer sind diskriminierend und inakzeptabel. Es wäre ein dramatisches Versagen der EU- und assoziierter Staaten, wenn weiter Überlebende auf Schiffen als Geiseln politischer Debatten gehalten werden," sagt Xavier Lauth, Einsatzleiter von SOS MEDITERRANEE. "Die Geretteten sind völlig erschöpft, dehydriert und psychisch angeschlagen, manche von ihnen benötigen umgehend medizinische Hilfe. Wir haben an Bord ihre Gesundheitsversorgung sowie eine Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Hygieneartikeln sichergestellt, haben psychologische Erste Hilfe geleistet und die Möglichkeit geboten, Kontakt mit Familienangehörigen aufzunehmen. Aber sie können nicht noch länger warten, denn die Ungewissheit ist unerträglich und der Stress steigt mit jedem Tag. Sie brauchen dringend einen sicheren Hafen," sagt Frido Herinckx, Einsatzleiter der IFRC. Die unverzügliche Ausschiffung aus Seenot geretteter Menschen ist nicht debattierbar. Die derzeitige Blockade von Anlandungen nach Such- und Rettungseinsätzen ist ein schwerer und folgenreicher Verstoß gegen das Seerecht. Das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) erlegt Staaten ebenso wie Kapitäninnen und Kapitänen klare Pflichten bei Such- und Rettungseinsätzen auf. Von der Pflicht, auf Seenotfälle zu reagieren und die Suche zu koordinieren, bis hin zur Pflicht, Schiffen nach Rettungen so bald wie möglich einen "sicheren Ort" zuzuweisen, an dem die Geretteten von Bord gehen können. Staaten, die Hilfe leisten können, sind zur Zusammenarbeit verpflichtet, um einen sicheren Ort für die Ausschiffung zu finden. Diese Pflicht gilt "unabhängig von der Nationalität und dem Status von Personen in Seenot"¹, und die "Beurteilung der Rechtsstellung von geretteten Personen" darf die Ausschiffung nicht "unnötig verzögern"². Die Ocean Viking hat die zuständigen Seebehörden während aller Phasen der Such- und Rettungsmaßnahmen informiert und um die Zuweisung eines sicheren Ortes gebeten, wie internationale Seerechtskonventionen es vorschreiben. Die Seenotrettung im Mittelmeer muss Priorität haben, unabhängig vom Status der Menschen in Seenot, und wir müssen zusammenarbeiten, auch durch klare, sichere und voraussehbare Mechanismen zur Anlandung Geretteter. SOS MEDITERRANEE und die IFRC fordern die EU-Mitglieder und assoziierte Staaten auf, geltendes Seerecht zu respektieren und bei der Zuweisung eines sicheren Ortes für die Überlebenden der Ocean Viking zu kooperieren, um dem Leiden Hunderter Männer, Frauen und Kinder ein Ende zu setzen. ¹(Kapitel V - Regel 33.1-Änderung 2004) ²(IMO-RESOLUTION MSC.167(78) (angenommen am 20. Mai 2004) Hinweis an die Redaktion:

  • Mindestens 20.000 Frauen, Kinder und Männer haben seit 2014 im zentralen Mittelmeer ihr Leben verloren. Allein im Jahr 2022 sind bislang mindestens 1.286 Menschen gestorben. Die Vergangenheit hat auf tragische Weise gezeigt, dass die Behinderung von Such- und Rettungsmaßnahmen im zentralen Mittelmeer tödliche Auswirkungen hat. Im Jahr 2018 verdoppelte sich die Sterblichkeitsrate im zentralen Mittelmeer (5,6 %) im Vergleich zur Sterblichkeitsrate von 2017 (2,4 %). Im Jahr 2019 hat sich die Sterblichkeitsrate vervierfacht (9 %). (Quelle: IOM – Missing Migrants Project)

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