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Zehn Jahre zivile Seenotrettung – Eskalation auf See

9
March
2026

Zehn Jahre nach Beginn des ersten Rettungseinsatzes: mehr als 42.700 gerettete Menschen, ein bewaffneter Angriff auf die Ocean Viking und ein Umfeld, das sich dramatisch verschlechtert hat. Zum Jubiläum veröffentlichen wir ein Manifest und einen 10-Jahres-Report – und fordert die Wiederherstellung staatlich koordinierter Seenotrettung im zentralen Mittelmeer.

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Zehn Jahre zivile Seenotrettung – Eskalation auf See

9
March
2026

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Zehn Jahre nach Beginn des ersten Rettungseinsatzes: mehr als 42.700 gerettete Menschen, ein bewaffneter Angriff auf die Ocean Viking und ein Umfeld, das sich dramatisch verschlechtert hat. Zum Jubiläum veröffentlichen wir ein Manifest und einen 10-Jahres-Report – und fordert die Wiederherstellung staatlich koordinierter Seenotrettung im zentralen Mittelmeer.

Berlin, 9. März 2026. Seit einem Jahrzehnt rettet SOS MEDITERRANEE Menschen im zentralen Mittelmeer aus Seenot und dokumentiert dabei den fortschreitenden Rückzug staatlicher Verantwortung, zunehmende politische Behinderung und eine alarmierende Verschärfung der Lage auf See.

Seit 2016 haben die Crews von SOS MEDITERRANEE in 453 Einsätzen mehr als 42.700 Menschen aus Seenot gerettet – zunächst mit der Aquarius, seit 2019 mit der Ocean Viking. Das Jubiläum fällt in eine Zeit, in der die humanitäre Lage im zentralen Mittelmeer eskaliert und die Rahmenbedingungen für zivile Seenotrettung sich drastisch verschlechtert haben.

Manifest und 10-Jahres-Report

Anlässlich des Jubiläums veröffentlicht SOS MEDITERRANEE das Manifest „Beendet die politisch hergestellte humanitäre Krise im zentralen Mittelmeer". Darin wird die Wiederherstellung staatlich koordinierter, proaktiver Seenotrettung gefordert, ein Ende der Auslagerung von Rettungsverantwortung an unsichere Drittstaaten sowie Transparenz und Rechenschaft bei Rettungsversäumnissen und Rechtsverstößen auf See.

Begleitend erscheint ein umfassender 10-Jahres-Report "Into the storm", der dokumentiert, wie sich das Rettungssystem im zentralen Mittelmeer verändert hat: vom schrittweisen Rückzug staatlicher Kapazitäten über die Externalisierung von Grenzschutz bis hin zur systematischen Behinderung ziviler Akteure.

Mit Beginn ihres zweiten Jahrzehnts auf See bekräftigt SOS MEDITERRANEE: Wir werden weiterhin retten, schützen und bezeugen­

Zahlen, die das Ausmaß der Krise verdeutlichen

Seit 2016 sind auf der zentralen Mittelmeerroute mindestens 19.655 Menschen ums Leben gekommen oder gelten als vermisst. Allein im Januar 2026 verloren dort schätzungsweise 450 Menschen ihr Leben. Gleichzeitig wurden seit 2014 mehr als 192.000 Menschen nach Libyen zurück gezwungen. Ein Land, in dem UN-Organisationen systematische Menschenrechtsverletzungen dokumentieren. „Todesfälle im zentralen Mittelmeer sind das vorhersehbare Ergebnis einer Politik, die Abschreckung über Schutz stellt und Rettungsverantwortung auf Länder wie Libyen und Tunesien auslagert", erklärt Bianca Benvenuti, Leiterin für internationale Advocacy und öffentliche Positionierung bei SOS MEDITERRANEE. „Eine Rettung endet erst, wenn Menschen an einem sicheren Ort an Land gehen. Die Maßnahmen der EU dürfen die Pflicht zur Rettung nicht untergraben."

Angriff auf die Ocean Viking: eine neue Eskalationsstufe

Im August 2025 wurde die Ocean Viking während eines Einsatzes in internationalen Gewässern gezielt von einem Patrouillenboot der libyschen Küstenwache beschossen. Niemand wurde verletzt, doch Schiff und Rettungsausrüstung wurden schwer beschädigt. Für SOS MEDITERRANEE markiert dieser Vorfall eine neue Dimension der Bedrohung ziviler Seenotrettung.

Bereits zuvor hatten administrative Einschränkungen, weit entfernte Hafenzuweisungen und mehrfache Festsetzungen der Ocean Viking der Organisation insgesamt 591 Einsatztage gekostet – mehr als anderthalb Jahre, in denen das Schiff nicht helfen konnte.

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