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„Zehn Minuten haben unser Leben gerettet“

3
October
2025

Am 9. März 2025 wurde Arham gemeinsam mit 24 weiteren Menschen von einem Glasfaserboot in der libyschen Such- und Rettungsregion gerettet. Während des Einsatzes befand sich ein Schiff der libyschen Küstenwache nur zehn Minuten entfernt.

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„Zehn Minuten haben unser Leben gerettet“

3
October
2025

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Am 9. März 2025 wurde Arham gemeinsam mit 24 weiteren Menschen von einem Glasfaserboot in der libyschen Such- und Rettungsregion gerettet. Während des Einsatzes befand sich ein Schiff der libyschen Küstenwache nur zehn Minuten entfernt.

„Zehn Minuten haben unser Leben gerettet“: Wie die Klimakrise einen jungen Arzt zur Flucht trieb

Am 9. März 2025 wurde Arham* gemeinsam mit 24 weiteren Menschen von einem Glasfaserboot in der libyschen Such- und Rettungsregion gerettet. Während des Einsatzes befand sich ein Schiff der libyschen Küstenwache nur zehn Minuten entfernt. Als Arham davon erfuhr, sagte er: „Zehn Minuten haben unser Leben gerettet.

Arham ist ein 24-jähriger Arzt aus Äthiopien. Er hatte sein Medizinstudium abgeschlossen und arbeitete als Arzt – für ein Monatsgehalt von umgerechnet etwa 100 Euro. Wie über 70 % der Bevölkerung in Äthiopien, lebt seine Familie von der Landwirtschaft – und damit vom Regen. Doch das Land erlebt derzeit die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Viele Haushalte auf dem Land können allein vom Ackerbau nicht mehr überleben (IOM, 2025)¹. Fällt der Regen aus, bleibt vielen nur, ihre Heimat zu verlassen – ob innerhalb des Landes oder darüber hinaus.

Die Dürren nehmen wegen des Klimawandels zu“, erklärt Arham. „Viele Menschen, die vom Land leben, ziehen in andere Länder, weil ihre Ernten nicht mehr ausreichen. Manche gehen in die Stadt, um kleine Jobs zu machen, wie Putzen. Andere verlassen das Land. Einige versuchen es sogar in Somalia – obwohl dort Krieg herrscht.“

Der Großteil der klimabedingten Migration in Äthiopien findet innerhalb des Landes statt. Allein im Jahr 2023 wurden mehr als 800.000 Menschen verdrängt, hauptsächlich durch Dürre (IOM 2025). Klimatische Ursachen stehen dabei selten allein: Umweltkrisen verschärfen Armut, Konflikte und den Mangel an Infrastruktur – eine Mischung, die viele Menschen zur Flucht zwingt.²

Arham und sein Bruder sind die einzigen von neun Geschwistern, die ein Studium abgeschlossen haben – und damit die Einzigen, die ihre Familie finanziell unterstützen können. Die Ernte der Eltern reicht nicht einmal mehr für das Nötigste. Die Verantwortung lastet schwer auf den Schultern der beiden jungen Männer. Trotz allem leuchten Arhams Augen, wenn er von seiner Arbeit als Arzt spricht: „In meinem Land leisten Ärzt*innen viel mehr, als sie bezahlt bekommen. Aber die Liebe, der Respekt, das Lächeln der Patient*innen – das ist mehr wert als jedes Gehalt. Geld ist nichts ohne Liebe.
Alles, was ich mir wünsche, ist weiter zulernen oder wieder als Arzt arbeiten zu können. Die paar Monate, in denen ich als Arzt gearbeitet habe, waren die schönste Zeit meines Lebens. Anderen helfen zu können – das erfüllt mich mehr als alles andere.

Wissenschaftler*innen schätzen, dass bis zum Jahr 2050 weltweit bis zu 216 Millionen Menschen innerhalb ihrer Heimatländer durch langsam fortschreitende Klimaveränderungen zur Flucht gezwungen werden könnten – sofern nicht schnell gehandelt wird, um Emissionen zu senken (IOM, 2024)³.  

Grenzüberschreitende Migration ist meist durch mehrere Faktoren bedingt, sie trifft oft besonders verletzliche Menschen – und ist schwer vorhersehbar. Die Internationale Organisation für Migration betont: Migration kann eine Form der Anpassung an den Klimawandel sein – ein Versuch, mit den Umweltveränderungen zurechtzukommen (IOM 2024). Doch wenn man Arhams Geschichte hört, wird klar, unter welchem enormen Druck Familien und ganze Gemeinschaften stehen – und wie groß die Last ist, die auf einem jungen Menschen wie Arham liegt.

1 International Organization for Migration (IOM) (2025). The Impact of Environmental Drivers and Climate Change on Migration Trends and Protection Needs in Ethiopia. https://publications.IOM.int/books/impact-environmental-drivers-and-climate-change-migration-trends-and-protection-needs-ethiopia

2 Assessing the Evidence: Climate Change and Migration in the Federal Democratic Republic of Ethiopia. Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK), and International Organization for Migration (IOM) (2024). https://ethiopia.IOM.int/sites/g/files/tmzbdl996/files/documents/2024-11/climate-change-and-migration-in-ethiopia.pdf

3 World Migration Report 2024, International Organization for Migration (IOM), https://publications.IOM.int/books/world-migration-report-2024

*Name wurde zum Schutz des Geretteten geändert

Bilder: Stefano Belacchi / SOS MEDITERRANEE

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