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Die staatliche Rettungslücke im zentralen Mittelmeer führt zu Chaos und Gewalt

13
October
2025

In den vergangenen Monaten war das zentrale Mittelmeer Schauplatz besorgniserregender Ereignisse. Die Eskalation der Gewalt auf See richtet sich sowohl gegen Menschen auf der Flucht als auch gegen humanitäre Akteure, die versuchen Hilfe zu leisten. Die für die Zuspitzung der Sicherheitslage verantwortlichen Akteure bleiben währenddessen weiter unidentifiziert und unberechenbar.

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Die staatliche Rettungslücke im zentralen Mittelmeer führt zu Chaos und Gewalt

13
October
2025

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In den vergangenen Monaten war das zentrale Mittelmeer Schauplatz besorgniserregender Ereignisse. Die Eskalation der Gewalt auf See richtet sich sowohl gegen Menschen auf der Flucht als auch gegen humanitäre Akteure, die versuchen Hilfe zu leisten. Die für die Zuspitzung der Sicherheitslage verantwortlichen Akteure bleiben währenddessen weiter unidentifiziert und unberechenbar.

Unberechenbare Akteure im zentralen Mittelmeerraum

Vor Kurzem führte die Ocean Viking eine kritische Rettung durch, die von unbekannten, gefährlichen Akteuren gestört wurde: Vor Tagesanbruch am 13. August näherte sich in internationalen Gewässern in stockfinsterer Nacht ein graues Glasfaserboot mit voller Geschwindigkeit unserem humanitären Schiff. Die Besatzung, die von der Brücke aus Ausschau hielt, sah, wie die unbekannten Fahrer des Bootes – die ihre Gesichter verdeckten – eine Gruppe von Menschen an Bord mit einer Lampe anleuchteten, als wollten sie deren Präsenz signalisieren. Dann zwangen sie die Menschen, über Bord zu springen.

Sieben Personen wurden sofort von unserem Team mithilfe unserer Schnellrettungsboote gerettet und an Bord des Mutterschiffs gebracht. Erst vier Tage später konnten sie in Ortona, Mittelitalien, mehr als 1.500 km vom Ort dieses traumatischen Vorfalls entfernt, von Bord gehen.

SOS MEDITERRANEE ist nicht die einzige Organisation, die mit diesen oder ähnlich schwierigen Vorfällen konfrontiert ist: Die beobachteten Praktiken wurden kürzlich auch von anderen Seenotrettungsorganisationen gemeldet.

Am 7. August führte Emergency eine kritische Rettung durch, nachdem sich ein unbekanntes Boot mit hoher Geschwindigkeit dem Rettungsschiff Life Support genähert hatte. Mitarbeitende der NGO hatten das Boot aufgefordert anzuhalten, doch die Anweisungen wurden ignoriert und die Life Support wurde gefährlich von der linken Seite angefahren. Dabei forderte der Fahrer des Bootes die Passagiere auf, auf das Rettungsschiff zu springen. Emergency gab an, dass die Menschen begannen, auf das Schiff zu springen, um sich daran festzuhalten, während viele andere ins Wasser fielen. Am 21. August sah sich Mediterranea Saving Humans mit einer vergleichbaren Situation konfrontiert: 10 Menschen, darunter Minderjährige, wurden mitten in der Nacht von unbekannten Personen von einem Boot ins Wasser geworfen. Trotz der Dunkelheit konnten alle vom Team der italienischen NGO gerettet werden.  Unbekannte staatliche und nichtstaatliche Gruppen gefährden nicht nur das Leben von Menschen auf der Flucht, sondern bedrohen auch die Besatzungen von zivilen Rettungsschiffen in internationalen Gewässern, indem sie aggressive und gefährliche Manöver durchführen, Rettungsschiffe verfolgen und umkreisen.  Manchmal handelt es sich dabei um Schiffe der libyschen Küstenwache oder der libyschen Generalverwaltung für Küstensicherheit (GACS). Die Akteure an Bord sind oft bewaffnet und erteilen der Besatzung ziviler Rettungsschiffe unrechtmäßige Befehle, wie beispielsweise beim Rettungseinsatz von SOS MEDITERRANEE am 13. August, oder bei MEDITERRANEA am 18. August.

Die Durchführung ziviler Such- und Rettungseinsätze wird dadurch immer gefährlicher, insbesondere in den letzten Monaten.

Dies ist jedoch keineswegs ein neues Phänomen: Seit dem Sommer 2024 sorgt eine Vielzahl neuer Akteure für Chaos und Unruhe im zentralen Mittelmeerraum. Dadurch steigt das Risiko für Menschen auf der Flucht und auch die Sicherheit von Helfer*innen, die an humanitären Rettungseinsätzen beteiligt sind, wird gefährdet.

Die zunehmende Häufigkeit dieser Vorfälle, die Vervielfachung der Akteure und die unglaublich gefährliche Natur dieser Ereignisse sind ein weiterer Schritt in der Verwandlung des zentralen Mittelmeerraums in einen vernachlässigten, rechtsfreien Raum, einen Ort der Rücksichtslosigkeit und der absichtlichen Gefährdung.

Diese Situation ist das Ergebnis der Politik Europäischer Staaten. Anstelle ihrer rechtlichen und moralischen Pflicht zur Hilfeleistung auf See nachzukommen, ziehen Europäische Regierungen es vor, die Gefahren dieses Gewässers zu ignorieren und unberechenbaren und gefährlichen Akteuren zu erlauben, in einem Bereich Fuß zu fassen, der eigentlich ein humanitärer Raum sein sollte.

SOS MEDITERRANEE ist äußerst besorgt über diese Entwicklungen.

Wir fordern die Beendigung der Finanzierung der libyschen Küstenwache, die mit Ihrem aggressiven Verhalten humanitäre Akteure und Gerettete in Gefahr bringt.  

Wir fordern außerdem den Schutz von zivilen Rettungsschiffen und ihrer Besatzung, die rechtmäßig in internationalen Gewässern operieren.

Foto Credits: Tess Barthes / SOS MEDITERRANEE

AKTUELLES

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16.1.2026

Einsatzbericht 1/2026 der Ocean Viking

Am 16. und 17. Januar konnte die Besatzung der Ocean Viking in zwei aufeinanderfolgenden Einsätzen insgesamt 90 Menschen aus Seenot evakuieren. 46 Personen, darunter Frauen und kleine Kinder, wurden in der libyschen Such- und Rettungsregion (SRR) aus einem überfüllten Schlauchboot gerettet. 44 weitere Personen, darunter mehrere medizinische Notfälle, konnten am Tag darauf in der maltesischen SRR von Bord des Handelsschiffes SIDER evakuiert werden. Am 19. Januar konnten alle Personen sicher in Palermo an Land gehen. Nur wenige Tage zuvor wurde die Ocean Viking Zeugin einer illegalen Rückführung durch die libysche Küstenwache, mutmaßlich mit aktiver Beteiligung eines EU-Staats.
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Ocean Viking bezeugt illegale Rückführung mit Beteiligung eines EU-Flugzeuges

In der Nacht zum 15. Januar bezeugte die Crew der Ocean Viking in internationalen Gewässern die illegale Rückführung eines in Seenot geratenen Bootes durch die libysche Küstenwache. Unterstützt wurde der Einsatz durch ein Flugzeug, das nach Angaben der libyschen Behörden aus Malta stammte.
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Ali*: Ich liebe den Sudan so sehr

Ali* ist 20 Jahre alt und wurde im August letzten Jahres von der Ocean Viking aus Seenot gerettet. Er floh aus dem Sudan vor Krieg, Gewalt und Zwangsrekrutierung. Unserer Crew erzählt er von seiner Flucht, von seinen Hoffnungen für die Zukunft – und von der Sehnsucht nach seiner Familie und seiner Heimat.
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