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Ich habe den Tod noch nie so nah gesehen.

20
June
2025

Bari, 20.06.2025 – 2024 registrierte der UNHCR weltweit rund 123,2 Millionen Menschen, die aufgrund von Konflikten, Gewalt, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen oder anderen erschütternden Ereignissen gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

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Ich habe den Tod noch nie so nah gesehen.

Chinda Precious

Heimatland

Nigerien

Rettungsdatum

Alter

33

Bari, 20.06.2025 – 2024 registrierte der UNHCR weltweit rund 123,2 Millionen Menschen, die aufgrund von Konflikten, Gewalt, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen oder anderen erschütternden Ereignissen gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Precious: Mein Leben nach der Überquerung des Mittelmeers

Bari, 20.06.2025 – 2024 registrierte der UNHCR weltweit rund 123,2 Millionen Menschen, die aufgrund von Konflikten, Gewalt, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen oder anderen erschütternden Ereignissen gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Das entspricht einem Anstieg von 6 % gegenüber dem Vorjahr – ein alarmierender Trend, getrieben von zahlreichen humanitären Krisen, von Gaza bis Sudan, die Menschen zur Flucht zwingen.

Für diejenigen, die in Europa Schutz suchen, bleibt das Mittelmeer - eine der tödlichsten Migrationsrouten der Welt – der Hauptfluchtweg. Allein in diesem Jahr haben bereits 57.227 Menschen diesen gefährlichen Seeweg auf sich genommen. Jede*r von ihnen bringt eine eigene Geschichte mit – alle haben ihre frühere Existenz hinter sich gelassen, in der Hoffnung auf ein sichereres, besseres Leben.

Doch die Überfahrt, die Rettung und die Ankunft in Italien sind nur Kapitel einer weitaus längeren Reise – einer Reise, die oft Monate oder Jahre zuvor begann und bis heute andauert. Viele stehen vor der Herausforderung, in fremden Ländern ein neues Leben aufzubauen – meist unter unsicheren und schwierigen Bedingungen. Es sind Geschichten, die selten erzählt werden, die aber von unglaublicher Widerstandskraft, Würde und Stärke zeugen.

Es sind Geschichten, die nach Solidarität rufen. In einer Welt, die zunehmend von Spaltung und Gleichgültigkeit geprägt ist, bedeutet Solidarität: sich an die Seite derer zu stellen, die alles verloren haben – nicht aus Mitleid, sondern aus gemeinsamer Verantwortung und dem Wunsch, eine menschlichere Zukunft mitzugestalten. Die Geschichte von Precious ist eine davon.

Precious ist ein junger Maler aus Nigeria und gehört zu den 42.451 Menschen (Stand: 13.06.2025), die SOS MEDITERRANEE seit 2016 im zentralen Mittelmeer gerettet hat. Vor zwei Jahren wurde er aus einem seeuntauglichen Boot evakuiert, das kaum noch auf den Wellen trieb. Doch die gefährliche Überfahrt war nur das letzte Kapitel einer Reise, die mehr als vier Monate zuvor begann.

Bevor Precious Libyen erreichte, durchquerte er 22 Tage lang die Wüste – eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt:

Man erkennt nicht, was im Leben wirklich wichtig ist, bis man bei null angekommen ist – wenn selbst ein Becher Wasser plötzlich unendlich wertvoll wird.“

Er berichtet über seine Erlebnisse in der Wüste und die Gewalt, die er später in Libyen erlebte:

Ich habe den Tod noch nie so nah gesehen.“

Doch Precious’ Geschichte ist nicht nur von Leid geprägt. Es ist die Geschichte eines Mannes, der ein erfolgreiches Leben in Nigeria zurückließ, um sich eine neue Zukunft aufzubauen. Heute lebt er in Bari in Süditalien – der Stadt, in der er zum ersten Mal europäischen Boden betrat. Dort arbeitet er hart daran, sich ein neues Leben aufzubauen – mit der Malerei als Beruf und Lebensanker. Er sagt:

Man kann kein Künstler sein mit leerem Magen [...] Aber wenn dieser Teil von mir stirbt [die Malerei], dann habe ich nicht mehr viel, wofür es sich zu leben lohnt.

Zum Weltflüchtlingstag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Solidarität“ steht, erinnert uns Precious’ Weg eindrucksvoll daran: Hinter jeder Rettung steht nicht nur ein gerettetes Leben, sondern auch eine wiedergewonnene Zukunft. Solidarität bedeutet, gemeinsam füreinander einzustehen – nicht als Fremde, sondern als globale Gemeinschaft, die sich nicht abwendet, wenn Menschen Hilfe brauchen.  

Durch das Unterstützen von Organisationen wie SOS MEDITERRANEE, das Sichtbarmachen der Stimmen von Geflüchteten und das Einfordern sicherer Fluchtwege kann Solidarität mehr werden als ein Wort – sie wird zu einer Handlung. Denn wenn wir an der Seite von Geflüchteten stehen, helfen wir nicht nur dabei, Leben neu aufzubauen – wir verteidigen auch die Werte, die uns als Gesellschaft ausmachen.

Credits: Flavio Gasperini / SOS MEDITERRANEE

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