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Einsatzbericht 1/2026 der Ocean Viking

16
January
2026

Am 16. und 17. Januar konnte die Besatzung der Ocean Viking in zwei aufeinanderfolgenden Einsätzen insgesamt 90 Menschen aus Seenot evakuieren. 46 Personen, darunter Frauen und kleine Kinder, wurden in der libyschen Such- und Rettungsregion (SRR) aus einem überfüllten Schlauchboot gerettet. 44 weitere Personen, darunter mehrere medizinische Notfälle, konnten am Tag darauf in der maltesischen SRR von Bord des Handelsschiffes SIDER evakuiert werden. Am 19. Januar konnten alle Personen sicher in Palermo an Land gehen. Nur wenige Tage zuvor wurde die Ocean Viking Zeugin einer illegalen Rückführung durch die libysche Küstenwache, mutmaßlich mit aktiver Beteiligung eines EU-Staats.

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Einsatzbericht 1/2026 der Ocean Viking

16
January
2026

Heimatland

Rettungsdatum

Alter

Am 16. und 17. Januar konnte die Besatzung der Ocean Viking in zwei aufeinanderfolgenden Einsätzen insgesamt 90 Menschen aus Seenot evakuieren. 46 Personen, darunter Frauen und kleine Kinder, wurden in der libyschen Such- und Rettungsregion (SRR) aus einem überfüllten Schlauchboot gerettet. 44 weitere Personen, darunter mehrere medizinische Notfälle, konnten am Tag darauf in der maltesischen SRR von Bord des Handelsschiffes SIDER evakuiert werden. Am 19. Januar konnten alle Personen sicher in Palermo an Land gehen. Nur wenige Tage zuvor wurde die Ocean Viking Zeugin einer illegalen Rückführung durch die libysche Küstenwache, mutmaßlich mit aktiver Beteiligung eines EU-Staats.

14.01.: Illegale Rückführung mit Unterstützung eines „maltesischen Flugzeugs“

In der Nacht des 14. Januar bezeugte die Besatzung der Ocean Viking in internationalen Gewässern die illegale Rückführung eines in Seenot geratenen Bootes durch die libysche Küstenwache. Unterstützt wurde der Einsatz durch ein Flugzeug, welches in der Funkkommunikation der libyschen Küstenwache als “maltesisches Flugzeug” bezeichnet wurde. Über Funk übermittelte das Flugzeug während der illegalen Rückführung Informationen an ein libysches Patrouillenboot. Der Vorfall ereignete sich 70 Seemeilen vor der libyschen Küste und ist mit Blick auf die Einhaltung des internationalen Seerechts sowie der Menschenrechte äußerst besorgniserregend.

„In der Geschichte unserer Such- und Rettungseinsätze im Mittelmeer haben wir einen erneuten Tiefpunkt erlebt“, erklärt Mar, SAR-Koordinatorin an Bord der Ocean Viking: „Die offene und aktive Zusammenarbeit eines mutmaßlich EU-staatlichen Flugzeugs bei einer offenkundig illegalen Rückführung. Ohne die Unterstützung des maltesischen Flugzeugs hätte das Schiff der libyschen Küstenwache das Boot in Seenot niemals gefunden. Diese Handlungen stellen einen eklatanten Verstoß gegen das internationale See- und Völkerrecht dar. Es ist beschämend und illegal, dass ein europäisches Flugzeug dabei mitgewirkt hat.“  

Das gesamte Statement von SOS Méditerranée zu dem Vorfall kann hier nachgelesen werden.

16.01.: Rettung von 46 Personen in der libyschen SRR

Am 16. Januar gegen 4:20 Uhr erhielt die Ocean Viking einen von Alarm Phone weitergeleiteten Notruf über ein Boot in Seenot in der libyschen SRR. Gegen 11:00 Uhr sichtete die Crew von der Brücke aus ein überfülltes Schlauchboot, das dem gemeldeten Seenotfall zu entsprechen schien.

Eine Stunde später, um 12:00 Uhr, befanden sich 46 Menschen, darunter 3 Frauen, 1 Kind und 2 Babys, sicher an Bord der Ocean Viking.

Die Mehrheit der Überlebenden stammt aus dem Sudan, in dem infolge des Bürgerkrieges zurzeit eine der größten humanitären Notlagen der Welt herrscht.

Mehrere der geretteten Personen waren unterkühlt und durch die Inhalation von Kraftstoffdämpfen stark geschwächt. Sie konnten an Bord der Ocean Viking stabilisiert und versorgt werden.

Als sicherer Hafen wurde von den italienischen Behörden Palermo zugewiesen.  

17.01.: Evakuierung von 44 Personen vom Handelsschiff SIDER in der maltesischen SRR

Auf dem Weg nach Palermo erreichte die Ocean Viking am 16. Januar ein weiterer Notruf, ausgehend vom Handelsschiff SIDER. An Bord der SIDER befanden sich 44 Personen, die das Handelsschiff am Vortag in der maltesischen SRR aus einem Boot in Seenot evakuiert hatte. Die Besatzung der SIDER versorgte die stark geschwächten Überlebenden nach der Rettung mit Nahrung und Wasser. Der Kapitän des Handelsschiffs erkannte jedoch schnell, dass sein Schiff nicht für eine angemessene Versorgung ausgerüstet war, und setzte einen Notruf an die zuständigen Behörden ab, um dringend benötigte Unterstützung zu erhalten. Von den Behörden kam keine Antwort. Die Ocean Viking war das einzige Schiff, das Kontakt zur SIDER aufnahm und die notwendige Unterstützung leisten konnte.

Die italienische Rettungsleitstelle (ITMRCC) autorisierte die Ocean Viking, von ihrer Route nach Palermo abzuweichen, um mit den zuständigen Behörden eine Evakuierung der 44 Schiffbrüchigen zu koordinieren. Die maltesischen Behörden reagierten nicht auf die Koordinierungsversuche der Ocean Viking. Schließlich eilte die Ocean Viking der SIDER selbst zur Hilfe.  

Am 17.01.2026 um circa 13:00 Uhr konnte die Besatzung der Ocean Viking die 44 Schiffbrüchigen von Bord der SIDER evakuieren. Die Überlebenden wurden auf dem Achterdeck liegend aufgefunden, stark seekrank, dehydriert und geschwächt. Einige konnten nicht laufen und mussten auf Tragen evakuiert werden. Aufgrund der Anzahl der medizinischen Notfälle wurde an Bord der Ocean Viking zunächst ein Mass Casualty Plan (MCP) aktiviert.  

Die Überlebenden stammen aus Pakistan, Bangladesch und Ägypten. Sie gaben an, mindestens zwei Tage zuvor mit einem Glasfaserboot in Bengasi, Libyen abgefahren zu sein. An Bord der Ocean Viking konnten alle Überlebenden versorgt, und ihr Gesundheitszustand stabilisiert werden.

19.01: Anlandung in Palermo

Am Vormittag des 19. Januar konnten die 90 Überlebenden an Bord der Ocean Viking sicher in Palermo an Land gehen. Wir wünschen ihnen eine friedliche und sichere Zukunft.

Credits: Tess Barthes / SOS MEDITERRANEE (Titelbild, Video, Bild 2,3 & 4); Francesco Creazzo / SOS MEDITERRANEE (Bild 1)

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