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Isam*: „Das Leben hatte jeden Sinn verloren"

20
June
2026

Isam* erzählt, wie die Gewalt der RSF in Darfur sein Leben zerstörte und warum er keine andere Wahl hatte, als zu fliehen.

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Isam*: „Das Leben hatte jeden Sinn verloren"

20
June
2026

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Isam* erzählt, wie die Gewalt der RSF in Darfur sein Leben zerstörte und warum er keine andere Wahl hatte, als zu fliehen.

Darfur ist seit über zwei Jahrzehnten von Konflikt und Vertreibung geprägt. Bereits in den frühen 2000er Jahren führte ein gewaltsamer Konflikt zwischen der sudanesischen Regierung und bewaffneten Gruppen zu einer der größten humanitären Krisen jener Zeit – mit hunderttausenden Toten und Millionen Vertriebenen. Seit 2023 hat sich die Lage erneut dramatisch verschärft: Im Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces (RSF) sind weite Teile Darfurs zu Schauplätzen massiver Gewalt gegen die Zivilbevölkerung geworden. Die RSF ist eine paramilitärische Gruppe im Sudan, die weite Teile der Region kontrolliert. Millionen Menschen mussten innerhalb des Landes oder über die Grenzen geflohen, manche von ihnen auch auf den gefährlichen Routen über das Mittelmeer.

Isam ist einer von ihnen. Anlässlich des Weltflüchtlingstags teilt er seine Geschichte.

„Das Leben hatte jeden Sinn verloren." Das sind schwere Worte – besonders aus dem Mund eines Zwanzigjährigen. Und doch sind sie Realität. Sie beschreiben mit erschreckender Präzision, was so viele junge Menschen im kriegsgebeutelten Sudan durchmachen.

Isam* wurde am 5. März 2026 auf einem Schlauchboot in der libyschen Such- und Rettungsregion gerettet, nachdem die Ocean Viking einen Alarm von Alarm Phone erhalten hatte.

Die 36 Menschen an Bord hatten zwei Tage und zwei Nächte auf See verbracht und trieben antriebslos, nachdem ihr Motor ausgefallen war. Die Crew auf der Brücke entdeckte ein kleines Licht in der Dunkelheit – ein Überlebender winkte mit dem Licht seines Handys.

Isam war bereits mehrere Monate vor seiner Rettung durch die Besatzung der Ocean Viking aus seiner Heimat in Darfur geflohen.

„Die Menschen (im Sudan) brauchen Hilfe", sagt Isam. „Sie haben kein Essen, es gibt keine Gesundheitsversorgung, keine Sicherheit. Deshalb leiden die Menschen so sehr. Wegen der RSF mussten wir unser Dorf verlassen. Selbst nachts kommen sie zu dir nach Hause und nehmen, was du hast."

Er berichtet von schweren Übergriffen in seiner Gemeinschaft, darunter sexualisierte Gewalt gegen Frauen sowie Zwangsrekrutierungen und Folter von Männern:

„Die Familien, die Mädchen haben – die nehmen sie. Deine Tochter, deine Frau, deine Tante. Sie nehmen sie. Sie vergewaltigen sie. Deshalb versuchen die Menschen, das Land zu verlassen und in andere Länder zu gehen – ob in Afrika oder in Europa."

„Was die Männer betrifft", sagt Isam, „wir sind immer im Visier. Vielleicht behandeln sie dich schlecht, vielleicht fordern sie dich auf, mit ihnen zu gehen. Sie waschen den Kindern das Gehirn. Mit elf, zwölf Jahren trägst du Waffen. Sie werden Soldaten – und verstehen nichts mehr."

Die Menschen in Darfur, sagt Isam, wurden von der Regierung immer vernachlässigt – weil sie keine Araber sind, sondern anderen ethnischen Gruppen angehören, mit eigenen Sprachen und Kulturen. Er erklärt, dass seine Region seit jeher marginalisiert war und viele Kriege und Hungersnöte erlebt hat.

Er beklagt auch, dass seine ethnische Gruppe, die Fur, eine der größten nicht-arabischen Bevölkerungsgruppen in Darfur, lediglich die Achtung ihrer grundlegenden Rechte fordert, ihre Stimmen aber kein Gehör finden. Verschiedene Stämme vor Ort verlieren ihre Traditionen und Sprachen, weil ihnen verboten wird, sie auszudrücken.

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Mehr zu Sudan: Ein Land im Fokus - Sudan

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Credits: Ville Maali / SOSMEDITERRANEE

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