(Zivile) Seenotrettung: Kein Ersatz für eine friedensorientierte Politik
Frieden bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krieg. Zum Internationalen Tag des Friedens erklärt SOS MEDITERRANEE, warum Seenotrettung dazugehört und warum es politische Verantwortung für Menschen auf der Flucht braucht.
(Zivile) Seenotrettung: Kein Ersatz für eine friedensorientierte Politik
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Frieden bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krieg. Zum Internationalen Tag des Friedens erklärt SOS MEDITERRANEE, warum Seenotrettung dazugehört und warum es politische Verantwortung für Menschen auf der Flucht braucht.
Die Vereinten Nationen definieren Frieden als einen Zustand, in dem Menschen nicht nur vor Gewalt geschützt sind, sondern auch in Würde, Sicherheit und Selbstbestimmung leben können. Positiver Frieden, so nennen Friedensforscher*innen diesen Zustand, entsteht dort, wo Grundrechte geachtet werden, wo Menschen eine Zukunft haben und wo niemand gezwungen ist, sein Leben zu riskieren, um sicher zu sein.
„Invest in Peace - For Everyone, Everywhere, Every Day“ – das Motto des diesjährigen Internationalen Tages des Friedens macht deutlich: Frieden entsteht nicht von allein. Er braucht jeden Tag politische Entscheidungen, gelebte Solidarität und konkrete Investitionen.
Wenn Frieden fehlt, bleibt oft nur die Flucht
Krieg, Verfolgung und Gewalt nehmen Menschen ihre Sicherheit, ihre Heimat und oft ihre gesamte Lebensgrundlage. Viele der Menschen, die SOS MEDITERRANEE mit der Ocean Viking aus Seenot rettet, kommen aus Ländern, in denen Frieden seit Jahren oder Jahrzehnten fehlt – aus dem Sudan, aus Eritrea, aus Somalia, aus Syrien.
Sie fliehen nicht, weil sie es wollen, sondern weil ihnen keine andere Wahl bleibt.
Magan* erzählte unserer Crew, er möchte nach Italien, weil dort Frieden herrscht. Aber er liebt sein Land noch immer. „Ich bin 16 und wenn ich erwachsen bin, möchte ich Frieden. Ihr seid Europäer*innen, habt ihr Frieden? Ich weiß nicht, was Frieden ist.“
Ayman*, 20 Jahre alt, floh erst aus dem Südsudan, dann aus dem Sudan: „Ich floh vor einem Krieg, nur um in den nächsten zu geraten.“
Seenotrettung folgt denselben Werten
Seenotrettung ist kein Ersatz für eine friedensorientierte Politik. Sie ist eine unmittelbare Verpflichtung: Menschen, die in Seenot geraten, haben ein Recht auf Rettung, unabhängig davon, warum sie in Seenot sind.
Viele Menschen, die wir retten, erzählt von einem Ort, an dem Frieden fehlt. Und von einer Politik, die keine sicheren Wege schafft.
Seenotrettung kann Konflikte und Fluchtursachen nicht beenden. Sie kann aber Menschen schützen, wenn sie auf dem Meer in Not geraten. Damit folgt sie demselben Grundsatz wie eine friedensorientierte Politik: die Würde und die Rechte jedes Menschen zu achten und zu schützen.
Wer Frieden stärken will, muss deshalb auch die Ursachen von Flucht in den Blick nehmen. Es braucht neben dem Ende der Gewalt auch langfristige Perspektiven – für ein sicheres, selbstbestimmtes Leben. Und es braucht eine gemeinsame Verantwortung, über Grenzen hinweg.
Frieden entsteht nicht von selbst
Er braucht politischen Willen, Solidarität, gerechte Rahmenbedingungen und die Entschlossenheit, Verantwortung zu übernehmen, wenn Menschen in Not sind – ob an Land oder auf dem Meer.
Am Internationalen Tag des Friedens denken wir deshalb an alle, die sich nach Frieden, Sicherheit und einem selbstbestimmten Leben sehnen.
*Name zum Schutz des Überlebenden geändert.
Fotocredit: Maria Giulia Trombini / SOS MEDITERRANEE
AKTUELLES

Ayman*: „Ich versuchte viermal, das Mittelmeer zu überqueren."

Magan*: „Ich weiß nicht, was Frieden ist.“

Einsatzbericht 14/2026
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